Cloud oder nicht Cloud

Das Versprechen, Cloud Computing sei genau das richtige, um alle IT-Probleme in den Unternehmen ein für alle Mal zu lösen, ist vor ein paar Jahren in den großen Marketing-Abteilungen entstanden.

Dabei spielen Sicherheitsfragen, Verfügbarkeit der eigenen Daten und nicht zuletzt die oft nicht verfügbare Bandbreite eine große Rolle. Der schleppende Breitbandausbau desillusioniert viele Firmen und verbietet dort das Cloud-Konzept von vornherein.

Natürlich sind Cloud-Lösungen meist redundant ausgelegt und haben riesigen Rechenpower, aber meinen wir das mit "Sicherheit"?

Wie sieht es aus, wenn ich den Anbieter wechseln will oder der einfach sein Cloud-Konzept einstellt?
Die GoBD verpflichtet mich zur Aufbewahrung von Büchern und Unterlagen in der originären Form.
Zahle ich also 10 Jahre weiter für ein nicht mehr verwendetes Buchhaltungsprogramm? Ja,- ich kenne Beispiele dafür.

Kann ich beweisen, dass meine Daten die EU nicht verlassen? Ansonsten wird es bereits bei Personendaten (Adressbuch) eng.

Wer hat Zugriff auf meine Daten und was geschieht damit? Man denke an seine Konkurrenz im In- und Ausland.

„Software as a Service“ made in USA wurde 2019 per Präsidentenerlass über Nacht einfach abgeschaltet.

Die automatische Nutzung der neusten Funktionen klingt gut. Aber habe ich den Funktionsumfang noch in der Hand? Was, wenn morgen eine dringend benötigte Funktion, ein Bericht oder ein Datenformat eingestellt wird?

Sicher kann man einige dieser Fragen mit Verträgen klären, wenn man eine ernst genommene Firmengröße hat.

Ich teile die Meinung des Security Insiders: So wenig IT outsourcen wie möglich.

Passend dazu:

  • Januar 2023: Die Ende-zu-Ende Verschlüsselungssoftware Boxcryptor wird verkauft und kündigt allen Nutzern. Der prorietäre Client prüft online die Lizenz und läßt sich nicht mehr starten, wenn der Hersteller das nicht will. Damit sind die eigenen Ende-zu-Ende verschlüsselten Daten verloren. (Caschys Block)
  • August 2022: Der Online-Passwortspeicher LastPass bestätigt: Angreifer hatten 4 Tage Zugriff auf die internen Systeme. Es gab wohl keinen Zugriff auf Benutzerkonten. (BornCity)
  • Juli 2022: Neue Kontosperrungen bei Outlook.com – läuft Microsofts KI Amok, oder sind Konten kompromittiert? (BornCity)
  • Juli 2022: die Hitzewelle zwingt die Cloud von Google und Oracle in UK zum Shutdown (-> Verfügbarkeit). (The Register)
  • Juni 2022: Die westliche Welt lacht hähmisch, weil die von Russland geklauten John Deere Landmaschinen vom Hersteller aus der Ferne deaktiviert wurden. Dabei sollte man nicht vergessen, dass diese "Waffe" gegen jeden Nutzer eingesetzt werden könnte.
  • 2016: Gescheiterte Abbo-Umstellungen bei Microsoft führen zu Verfügbarkeits- und Datenverlust. (CT 7/2016 S.64f)

Cloud Made in USA

Juni 2022: Die westliche Welt lacht hähmisch, weil die von Russland geklauten John Deere Landmaschinen vom Hersteller aus der Ferne deaktiviert wurden.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass diese "Waffe" gegen jeden Nutzer eingesetzt werden könnte.
 
Adobe hat im Oktober 2019 angekündigt, alle Nutzerkonten in Venezuela zu deaktivieren.
Trump hatte im August die Exekutivanweisung 13884 erlassen, die quasi jeglichen Umgang mit Venezolanern verbietet.
Adobe bietet seit Jahren die meisten Produkte wie Photoshop, Indesign oder Lightroom nur noch als Cloud-Abo an.
Nutzer aller Adobe-Programme in Venezuela haben nur noch bis zum 28. Oktober Zeit, ihre Dateien zu sichern. Danach werden alle Konten gelöscht.
 
Adobe sah sich zunächst nicht einmal in der Lage, Nutzern bereits gezahlte Abogebühren rückerstatten zu können. Im Prinzip wäre das konsequent, weil Rückerstattungen eben auch „Transaktionen“ sind. Trotzdem änderte Adobe seine Haltung: Man werde alle Gebühren Ende Oktober zurückerstatten, die direkt an das Unternehmen für künftig nicht mehr nutzbare Lizenzen gezahlt wurden.
 
Buchstäblich im letzten Augenblick konnte Adobe Ende Oktober die angedrohte Deaktivierung aller Benutzerkonten für seine Dienste in Venezuela stoppen. Das Unternehmen erhielt von der US-Regierung die Erlaubnis, sein Angebot in dem südamerikanischen Land aufrecht zu erhalten.

 


Jahrzehnte lang dominierten IT-Produkte aus dem Silicon Valley den Weltmarkt und bauten ihre Führung zu unangefochtenen Monopolen aus.
Doch mit dieser Order zeigt die USA der ganzen Welt, dass auf Produkte Made in USA kein Verlass ist – insbesondere, wenn es sich um Angebote wie „Software as a Service“ handelt. Denn wenn diese per Präsidentenerlass über Nacht einfach abgeschaltet werden können, wird es jeder klar denkende Kunde künftig vermeiden, seine Existenz daran zu knüpfen.

2018/11: Windows 10 Aktivierungsproblem

Am 7.11.2018 häuften sich Meldungen, dass die Microsoft-Aktivierungsserver nicht erreichbar sind.

Microsoft bestätigt die Panne und spricht von voraussichtlich 1-2 Tagen Ausfallzeit.
OK, es kann überall mal ein Server ausfallen.
Aber eine so kritische Infrastruktur wie der MS Aktivierungsserver?
Und so lange??
Peinlich.
 
Am 8.11.2018 häuften sich Meldungen, dass Windows 10 -Installationen ihre Lizenz verlieren und auf Home-Edition zurück fallen.
Ich hatte auch am 9.11.2018 noch reihenweise Win10 Prof -Installationen ohne gültiger Lizenz.
Das ist schon mehr als peinlich.
 
Nun mache ich mir so meine Gedanken.
• So einfach ist es möglich, dass Microsoft alle laufenden Windows 10- Installationen deaktiviert?
• Windows 10 fragt praktisch täglich seine Lizenz online ab?
• Was passiert mit den Lizenzen bei PCs in kritischer Infrastruktur, die keinen Kontakt zum Internet haben?
 

von Uwe Kernchen

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